Nicht alle Tage bekommt man solch ein in sich stimmiges und vor allem authentisches Debüt-Album vorgesetzt. Nahtlos fassen alle Elemente des Albums ineinander. Das romantische Ölgemälde als Frontcover, die Geschichten erzählenden Texte, die heroisch-ehrliche Musik, der Albumtitel (übersetzt: Wald der Trolle und Geister), die exzellenten Begleittexte, die wunderschöne Aufmachung, ja selbst das Promofoto im sympathischen selbstgestrickten Pullover lassen erkennen, dass der Gründer dieses Soloprojektes, Lars Jensen, sich hiermit einen Wunschtraum erfüllt hat. Man hört, sieht und liest jederzeit, wie viel Herzblut in “Trollskau, Skrømt og Kølabrenning” steckt. Gleichzeitig ist man erstaunt, in welch kurzer Zeit alle Fäden zusammenliefen. Ein Jahr nach der Bandgründung wurde das Demo “Fra Fjellheimen Kaller” aufgenommen und nun, weitere zwei Jahre später, halte ich das Debüt des sich in den frühen Zwanzigern befindenen Multiinstrumentalisten in den Händen.

Myrkgrav (übersetzt: dunkles Grab) spielen heroischen, leicht-schleppenden und melodiereichen Black Metal, der auch gerne mal mit ein paar Viking Metal-Zitaten glänzt. Lyrisch hat das Projekt aber nichts mit heidnischen Überzeugungen oder Göttersagen zu tun. Der sehr heimatverbundene Lars hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Geschichten über gefährliche Kreaturen, genervte Urgroßväter und norwegische Historie zu erzählen, und das alles der Authenzität wegen im eigenen Ringeriksdialekt. Lediglich die Klargesangsteile von Gastmusiker Sindre Nedland sind in seinem eigenen Dialekt verfasst. Sindre ist allerdings nicht der einzige Musiker, der auf dieser Scheibe eine Gastspiel vorweisen kann. Benita Eriksdatter steuerte weiblichen Gesang für einen Song bei und Espen Hammer, bekannt von den norwegischen Folk Metallern Lumsk, spielte Basslinien für fünf der Lieder ein.

Doch zurück zur Musik. Lars Jensen versteht es ausgezeichnet, die Geschichten in passende Melodien zu fassen. Sowohl romantische Tonfolgen, bei denen man sich einen Flug über Lars’ Heimatlandschaft vorstellt, als auch Passagen, die an den Black Metal der 90er erinnern lassen, denen jedoch niemals die Melodie abhanden kommt und sich geschickt ins episch-erdige Soundgeflecht einpassen, sind Bestandteile der Musik von Myrkgrav. So einige Ohrwurmriffs haben es auf den Silberling geschafft, doch wollen trotz aller Ehrlichkeit und Qualität nicht alle der vertonten Sagen und Mythen hängenbleiben. Diesem Phänomen versucht er vorzubeugen, indem er zu jedem der Songs die Story in Englisch ausführt, um den Genießern des Gesamtwerkes, verdammt seien alle Musikpiraten, ein noch intensiveres Erlebnis zu bieten.

Myrkgrav haben es geschafft, mich mit ihrem Debütalbum und dessen Stimmigkeit in den Bann zu ziehen. Hoffen wir, dass Lars Jensen bald einige Mitstreiter findet, um Ringerike auch livehaftig nach Deutschland bringt.

Anspieltipps: Olav Tryggvason

8,5/10