Keine Ahnung, was der Titel des Albums bedeuten soll, schliesslich spreche ich kein Wort norwegisch. Eigentlich spielt es aber auch überhaupt keine Rolle, solange ich weiss, dass sich hinter „Trollskau, Skrømt og Kølabrenning“ tolle Musik verbirgt, welche den Zuhörer über knapp 45 Minuten lang gebannt lauschen und träumen lässt. Verbrochen hat dieses Suchtmittel ein gerade mal 20 jähriger Norweger, der hiermit sein erstes Full Lenght Album veröffentlicht, zu dessen Aufnahmen er Unterstützung von verschiedenen Leuten erhielt, u.a. von Espen Hammer der norwegischen Band Lumsk, welcher bei einigen Songs den 6-Saiter einspielte. Musikalisch hat sich Lars Jensen, so der Name des jungen Herren, einer Mischung aus ruhigen Passagen und hymnenhaftem Black Metal verschrieben. Eine Kombination, die bereits von zahlreichen Bands vereinnahmt wird und dennoch bietet Myrkgrav ein hohes Mass an Eigenständigkeit. Kerniges Gekeife, eingängige Riffs, meist im eher schleppendem Tempo, eigenwillige Melodien und ein mehrstimmiger, klarer Gesang, dessen Ausdrucksstärke viele etabliertere Bands in den Schatten stellt, zeichnen diese Eigenständigkeit aus.
Vor allem die erste Hälfte des Albums ist eher ruhigeren Klängen gewidmet, so dass meist der sehnsuchtvolle klare Gesang dominiert und der Zuhörer von mächtigen Melodien gefesselt wird. Nichtsdestotrotz steigern sich auch Songs wie „Gygra & St. Olav“ und „Fela Etter'n Far“ kontinuierlich zu eingängigen Black Metal Hymnen. Von Beginn an Black Metal lastiger zeigen sich Songs wie „Oppbrennerbønn“ und das etwas schnellere „Tre Skygger Tel Kølabrennern Kom“. Doch auch hier lassen sich stets eingängige und melodiöse Parts entdecken. Mit „Olav Tryggvason“ und „Tjernet“ sind auch zwei Songs vertreten, die bereits 2004 auf dem Demo „Fra Fjellheimen Kaller...“ erschienen sind und nach Meinung von Lars Jensen nicht wirklich ins Konzept des neuen Werkes passen. Dennoch fügen sich die beiden Tracks rein musikalisch nahtlos in die Klangwelt der neuern Songs ein. Auch auf einem traditionellen dänischen Volkslied beruhende „De To Spellemenn“ möchte ich an dieser Stelle noch erwähnt haben, da es sich, auch wenn diesbezüglich eine Entscheidung schwer fällt, zu einem meiner Lieblingslieder entwickelt hat, unter anderem weil hier die Klasse des mehrstimmigen Gesang zum Teil in Verbindung mit dem emotionalen Gekreische besonders gut zur Geltung kommt. Mit dem ruhigen „Mellomspell“ und dem als Outro fungierenden „Endetoner“ sind auch zwei instrumentale Songs vorhanden, wobei mich letzterer etwas unausgegoren scheint. Textlich lehnt sich das Album an Sagen und Geschichtchen aus der Gegend des Musikers an, die im norwegischen Ringeriksdialekt vorgetragen werden. Netterweise verfügen alle Songs über eine kurze englische Einleitung, so dass auch meiner einer versteht, wer von wem umgebracht oder heimgesucht wird.
So veröffentlicht Lars Jensen bereits mit 20 Jahren, was andere ein Leben lang nicht auf die Reihe kriegen. „Trollskau, Skrømt og Kølabrenning“ ist vollgestopft mit Emotionen und fesselnden Melodien, ohne überladen zu sein, abwechslungsreich aber dennoch ein homogenes ganzes, das sowohl in seinen ruhigen Momenten als auch während aggressiven Passagen zu überzeugen vermag. Was bleibt ist Gänsehaut und kaum Kritik und eine Kaufempfehlung an all jene, die bei dezentem Keyboardeinsatz und kraftvollem Cleangesang nicht gleich tot umfallen.
4,5/6