Selten kommt es vor, dass man besondere Perlen wie diese in der weiten See schwarzmetallischer Musikkunst finden kann. Das Debütalbum von MYRKGRAV ist eine solche. Umso erschreckender ist, dass „Trollskau, Skromt Og Kolabrenning“ allein aus der Feder des 20 jährigen Norwegers Lars Jensens stammt und auch, mit einigen wenigen Ausnahmen im Gitarrenbereich, von ihm allein eingespielt wurde.

Die Songs sind rundum grandios komponiert und profitieren sehr vom ständigen Wechsel zwischen langsamen, folkigen Chorpassagen und schnelleren, intensiven Abschnitten in denen Lars Jensen sein kerniges Gekeife auf die Hörerschaft los lässt, welches glücklicherweise nicht zu aggressiv daherkommt und somit die wundervolle Atmosphäre, die sich langsam in jedem Lied aufbaut, nicht zerstört. Da mein norwegisch leider etwas eingerostet ist, erschließen sich mir leider nicht die Sagen und Geschichten aus Jensens Heimat, welche er auf dem Silberling verewigt hat. Und dennoch entstehen vor dem inneren Auge unweigerlich skandinavische Landschaften und Drachenbote die langsam an majestätischen Fjorden vorbei segeln. Dazu trägt auch der nur selten in den Vordergrund rückende Klimperkasten bei, welcher die Lieder ausschmückt und nicht trägt, eine Sache, die ansonsten leider zur Normalität zu werden scheint. Abschließend lässt sich noch sagen, dass „Trollskau, Skromt Og Kolabrenning“ hervorragend produziert wurde und einem somit ein herrliches Klangbild liefert. Nur das instrumental gehaltene Outro wirkt etwas zu experimentell, welches das Gesamtbild aber nicht mehr zu trüben vermag.

Es ist mir eigentlich schon suspekt, dass ein gerade mal zwanzig Jähriger es schafft, alteingesessene Bands in Sachen Intensität und Ausdruckskraft dermaßen zu unter den Tisch zu musizieren. Trotz des enormen Abwechslungsreichtums ergibt Myrkgravs Debüt dennoch ein homogenes Ganzes für welches ich eine unbedingte Kaufempfehlung aussprechen kann.

4,5/5